Menü
Startseite

Foto: Fokussiert/AdobeStock

Vom Fräuleinwunder zum Genderstern

Vor 50 Jahren wurde das Fräulein zur Frau – die Gender-Debatte ist inzwischen längst in den Unternehmen angekommen

Die Debatte um eine gendergerechte Sprache ist aktueller denn je und auch Unternehmen sollten sich dazu positionieren. Begonnen hat sie aber bereits vor langer Zeit. „Fräulein, zahlen bitte!“: Viele Menschen älteren Semesters erinnern sich noch daran, dass man früher im Gasthaus mit diesen Worten um die Rechnung bat. Aus dem Amtsdeutsch verschwand das Fräulein genau vor 50 Jahren – auf Anordnung des Bundesinnenministeriums. Im Alltagsgebrauch hielt sich das Fräulein noch eine Weile. Heute gilt die Anrede aber schlicht als veraltet.

Sprache wandelt sich, die Akzeptanz des Genderns wächst

Die Verwendung des generischen Maskulinums als verallgemeinernde Form für Männer und Frauen wird zunehmend in Frage gestellt. In Fachkreisen herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass Sprache Realität schafft und sie deshalb auch ein Vehikel ist, das Gerechtigkeit und Inklusivität voranbringt – oder eben nicht. Das betrifft nicht nur Frauen: Menschen generell rücken in den Hintergrund, wenn sie sprachlich nicht oder kaum vorkommen.

Die Deutschen haben allerdings Vorbehalte gegenüber der Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache in Medien und Öffentlichkeit: Nur 26 Prozent der Deutschen befürworten laut einer Umfrage von Infratest Dimap aus dem Mai 2021 den Einsatz von Binnen-I oder anderen Genderschreibweisen, 65 Prozent lehnen deren Verwendung ab. Allerdings scheint dies eine Generationenfrage zu sein: Unter den Jüngeren (18-39 Jahre) spricht sich etwa ein Drittel für eine geschlechtergerechte Sprache aus.

Doch Sprache verändert sich durch und mit dem gesellschaftlichen Wandel. So wie die Anrede „Fräulein“ ganz selbstverständlich nicht mehr genutzt wird, könnte es 2040 seltsam wirken, dass mit „Lehrer“ einst Frauen mitgemeint waren. Die Akzeptanz des Genderns wächst kontinuierlich, immer mehr Moderator*innen verwenden beispielsweise den Glottisschlag, sprechen also „Zuschauer*innen“ mit einer hörbaren Pause zwischen „Zuschauer“ und „innen“.

Stellenanzeigen müssen schon lange genderneutral formuliert werden

Auch Unternehmen kommen an der Genderdebatte heute kaum mehr vorbei, wenn sie in der Kommunikation mit ihrer Zielgruppe alle potenziellen Kund*innen angemessen ansprechen wollen. Bei Auctores haben wir das Thema diskutiert und uns dafür entschieden, in unseren Veröffentlichungen schrittweise zur gendergerechten Sprache überzugehen.

Als Agentur gehen wir mit der Zeit und schließen uns der Position des Rats für deutsche Rechtschreibung an, der in seinem 2021 veröffentlichten Positionspapier dazu auffordert, allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache zu begegnen. Wir verstehen diesen Wandel als Prozess, den wir Schritt für Schritt umsetzen, um den Übergang zu erleichtern. Den Anfang machen deshalb unsere News. Für unser Videokonferenz-System Visavid arbeiten wir bereits an einer optionalen gendergerechten Benutzeroberfläche.

Unseren Kund*innen empfehlen wir, sich zumindest mit dem Thema zu beschäftigen. Bei der Personalsuche sind Arbeitgeber*innen ohnehin seit Ende 2018 dazu verpflichtet, in Stellenanzeigen und Online-Formularen genderneutral zu schreiben. Der erste Schritt ist also schon getan.

Objektive Formulierungen bevorzugen

Hat man sich zur Geschlechtergerechtigkeit in der Kommunikation entschlossen, so muss man sich auf eine entsprechende Schreibweise verständigen – Doppelpunkt, Nennung beider Formen, Schrägstrich, Klammerschreibweise, großes Binnen-I, Unterstrich und Gendersternchen sind die verbreiteten Methoden. Vielerorts, so auch bei uns, hat sich Letzteres durchgesetzt. Das Sternchen soll dabei nicht nur Frauen und Männer sprachlich sichtbar machen, sondern auch alle anderen Geschlechter.

Noch keine zufriedenstellende Lösung gibt es, Geschlechtergerechtigkeit mit Barrierefreiheit in Einklang zu bringen. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband DBSV rät deshalb, alternative Formulierungen zu verwenden, also beispielsweise „Kundschaft“ statt „Kunden“ zu schreiben. Das Wörterbuch geschicktgendern.de hilft dabei, Alternativen zu finden. Wenn allerdings mit Symbol gegendert wird, dann laut DBSV am besten mit dem Sternchen.

Google kündigt Update in Sachen Genderschreibweise an

Und wie gendergerecht ist Google? Man könnte sagen – eher gar nicht. Weibliche Sprachformen und Berufsbezeichnungen punkten in der Suche schlechter als männliche und Genderzeichen werden nur unzuverlässig erkannt. Aber das liegt vor allem auch daran, dass die Suchmaschine das anbietet, was gesucht wird und User*innen eben vorrangig das generische Maskulinum verwenden.

Für ein gutes Ranking trotz gendergerechter Sprache empfiehlt es sich, so weit wie möglich neutrale Bezeichnungen zu verwenden, also das Thema und die Person in den Mittelpunkt zu stellen. Erst wenn diese Möglichkeit ausgeschöpft ist, sollten Genderzeichen wie Sternchen oder Doppelpunkt ins Spiel kommen. Diese sollten jedoch nicht im Übermaß verwendet werden – zumindest noch nicht.

Denn wie die Sprache sich verändert, so verändert auch Google kontinuierlich die Such-Algorithmen. John Müller, Senior Webmaster Trends Analyst bei Google Zürich, sagte in der Google-SEO-Sprechstunde im Juni 2021, dass die Suchmaschine inzwischen Genderzeichen wie Stern und Doppelpunkt grundsätzlich erkennen könne. Man warte mit einem Update noch ab, bis sich eine Schreibvariante durchgesetzt habe. Die Suchmaschine ändert sich also – wenn sich unsere Sprache ändert und wir beispielsweise mit Gendersymbol googeln.

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen ein „Gender-Update“ anstreben und dazu strategische Beratung oder Unterstützung bei der Überarbeitung ihrer Online-Formulare und Texte benötigen – das Auctores-Redaktionsteam steht Ihnen gerne zur Verfügung.

« zurück