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Auf Spurensuche abseits der Pfade

BVI-Partnertreffen widmet sich der Geschichte Berlins

Ein straff organisiertes Programm erwartete die Teilnehmer des diesjährigen Partnertreffens am 9. und 10. Februar, zu dem der Bundesfachverband der Immobilienverwalter e. V. in die Landeshauptstadt eingeladen hatte. Der angekündigte Dresscode – „casual und der Witterung entsprechend“ – ließ Aktivitäten im Freien erahnen, um nicht zu sagen befürchten. Und so ging es für die rund 30 Teilnehmer bei frostigen -4 °C per Trabbi-Safari bis vor die Tore Berlins – sofern der Trabbi wollte.

Ziel der nostalgischen wie „rußtikalen“ Fahrt im Kultvehikel aus DDR-Zeiten war das brandenburgische Elstal, wo das Olympische Dorf von 1936 seine Tore eigens für den BVI geöffnet hatte. Der Einblick in diesen Abschnitt der Berliner Geschichte war eindrucksvoll: Nach wechselhafter Nutzung des weitläufigen Geländes mit früheren Sichtachsen bis in das Olympiastadion hinein ist man jetzt bestrebt, die einzigartige Architektur, nicht nur zu bewahren, sondern in größerem Umfang Besuchern zugänglich zu machen.

Zurück in der Hauptstadt spannten die BVI-Gäste nach einem Berliner-Spezialitäten-Menü den geschichtlichen Bogen straff und wagten einen Blick auf die politische Zukunftsvision des traditionsreichen Kabarett-Theater „Distel“. Unter dem Titel „Jenseits von Angela“ machte sich das Ensemble pointiert und scharfzüngig auf die Suche nach einem Kanzlerin-Nachfolger. Dass der von der Straße geholte Kandidat letztendlich nicht zum Zuge kam, sorgte doch für eine gewisse Erleichterung.

Am nächsten Morgen konnte der weitere Temperaturabfall auf -13 °C niemanden mehr so richtig schrecken, zumal es diesmal mit dem komfortablen Reisebus in Richtung Schönhausen ging. Nach einem Abstecher in das ehemals abgeschottete Wohngebiet der russischen Militärregierung rund um den Majakowski-Ring wartete das erst seit kurzem für die Öffentlichkeit zugängliche Schloss Schönhausen auf die BVI-Besucher. Auch diese kleine Schlösschen versammelt etliche Facetten der Berliner Geschichte in seinen Mauern: Als Sommerresidenz beherbergte es über mehrere Jahrzehnte die Preußenkönigin Elisabeth Christine. Die verstoßene Ehefrau Friedrich II. wurde erst Ende des 20. Jahrhunderts von den Historikern aus dem Schatten ihres Mannes geholt.

Zu DDR-Zeiten war Schloss Schönhausen Amtssitz des einzigen Präsidenten Wilhelm Pieck, der hier von 1949 bis zu seinem Tod im Jahr 1960 wirkte. Einzigartig am Schloss Schönhausen dürfte sein, dass bei der Restaurierung die geschichtlichen Epochen in einzelnen Räumen bewahrt geblieben sind. So kann der Besucher aus dem barocken Festsaal Elisabeth Christines in das Amtszimmer Wilhelm Pieck schlendern und wenige Schritte weiter einen Blick in das 70er-Jahre-Ambiente des Trakts werfen, der nach 1960 als DDR-Gästehaus diente. Letzte Gäste waren übrigens Michael Gorbatschow und seine Ehefrau Raissa im Jahr 1989.

Zurück in der Gegenwart sorgte die „inszenierte“ Currywurst des angesagten Szene-Lokals „Zander“ am Prenzlauer Berg für einen feurigen wie gelungenen Abschluss dieser einzigartigen Spurensuche.